Geschichte

Entstehung der Ortsnamen

Viele Ortsnamen in der Eifel haben ihren Ursprung in der Römerzeit. Auch Schleidweiler, Zemmer und Daufenbach sind aus lateinischen Wörtern gebildete Namen. Zwar haben die Römer nichts über diese Orte aufgeschrieben, aber die Urkunden, in denen die Ortsnamen Jahrhunderte später erwähnt werden, weisen immer noch - oder wieder - die lateinische Schreibweise auf. Das spricht sicherlich für den nachdrücklichen Einfluß der Römer in der Eifel.

Scletonis villa war der Name, den die Römer Schleidweiler gegeben haben. Er taucht in einer Urkunde von 816 wieder auf. Sie ist das erste gesicherte Zeugnis, das uns von Schleidweiler erhalten geblieben ist.

Villa bedeutet Siedlung und ist wahrscheinlich die Wurzel des alten deutschen Wortes weiler, das auch heute noch für eine bestimmte Art von Dörfern verwendet wird. Die Entstehung der ältesten Weilerorte fällt in die Römerzeit. Um sie zu benennen, verband man das Wort weiler häufig einfach mit dem Namen der Person, die den Ort beherrschte. In diesem Sinn steht auch scleton(is) als Name des römischen oder germanischen Grundherrn des alten Ortes.

Es gibt aber auch noch eine ganz andere Möglichkeit, wie Schleidweiler zu seinem heutigen Namen gekommen ist.

Für Dorfbewohner war es immer von großem Vorteil, wenn ihr Ort direkt an einem Gewässer lag. - Grund genug für sie, diesen Glücksfall im Namen deutlich werden zu lassen! Der Ausdruck schlei wird, wie zum Beispiel bei einem Zufluß der Ostsee, im deutschen Sprachraum häufig für Gewässer verwendet. In dem Fall könnte man Schleidweiler mit "Bachweiler" übersetzen; das übriggebliebene "d" hätte sich zur Erleichterung der Aussprache eingeschmuggelt.

Ob frühere Bewohner des Dorfes für ihren Bach tatsächlich so dankbar waren, daß es auf die Namensgebung Auswirkung hatte und das Gedenken an den Grundherrn Scleton allmählich verdrängte, läßt sich heute nicht mehr entscheiden.

Im Lauf der Jahrhunderte machte der Name auf jeden Fall so manche Abwandlung mit: Schon für 893 läßt sich scelttevillere belegen. 953 wurde die Siedlung im Güterverzeichnis der Abtei Prüm aber wieder scletonis villa genannt.

Zu dieser Zeit war der Stern der Römer in der Eifel zwar schon längst untergegangen, und die Franken beherrschten das Land, aber die Sprache veränderte sich weitaus langsamer als die politischen Verhältnisse; nicht nur bei diesem Ortsnamen erhielt sich noch die lateinische Bezeichnung villa. (Auch in der Nähe von Wittlich wurde der kleine Ort "Dorf" damals villere genannt.)

1023 Slendenvilre
nach 1306 Schletweiler
1463 Sletwilre
1570 Schleitweiler

Etwas später als Schleidweiler, nämlich 893 im bereits erwähnten Prümer Güterverzeichnis, taucht Zemmer erstmalig in einer Urkunde auf: Centemer hieß der Ort damals; der Name bedeutet wahrscheinlich "heilige Quelle", womit der Grundsgraben gemeint ist, der in Zemmer entspringt. Cente wäre damit eine Umformung des lateinischen sanctus und mer eine sehr alte Bezeichnung für Gewässer, die noch heute in den Wörtern "Maar" und "Meer" erscheint. Das Moselromanische, die im Mittelalter aus dem Vulgärlateinischen an der Mosel entstandene Dialektform, formte diesen imposanten Namen dann zu cent nemere oder cent enmere um.

Die weitere Entwicklung des Ortsnamens läßt sich nach Jungandreas folgendermaßen belegen:

1329 Centenmere
15. Jhd. Centemair
1463 Zemmern
1501 Tzemmeren
1789 Zemmer
Anfang 19. Jhd. Zimmer

Für das Jahr 915 schließlich weist das Mittelrheinische Urkundenbuch die erste Eintragung über einen Ort namens fundus rivus auf, was übersetzt "tiefer B ach" bedeutet, da das Wortfundus teilweise die Bedeutung des lateinischen Wortes profundus (tief) angenommen hatte. Hiermit war Daufenbach gemeint.

926 taucht der Ort dann auch als profundus rivus auf. Das Adjektiv (pro)fundus wurde mit der Zeit durch das Mittelfränkische dufe (die Tiefe) ersetzt, was später wiederum zu daufe wurde. Nach einigen weiteren belegten Abwandlungen liest man 1506 erstmalig den Ortsnamen Daufenbach:

1190 Dufenbach
1274 Dofinbach
1475 Dufenbach
1534 Dauffenbach

Rodt ist der einzige der vier Orte der heutigen Ortsgemeinde Zemmer, dessen Name nicht durch römischen Einfluß geprägt wurde. Er ist vielmehr auf das althochdeutsche Wort rod für "Rodung" zurückzuführen. Im Jahr 1036, also erst gegen Ende der Blütezeit des Althochdeutschen, wird der Ort zum ersten Mal erwähnt:

1036 Rode
1218 Rode
1329 Roden
1331 Roide
1463 Rode
1478 Roide
1774 Rodt