Gartenfeldstrasse 12, 54295 Trier, Tel.: +49 [651] 9798 0, FAX: +49 (651) 9798 5555 |
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GeschichteEin mildes Klima, gut zu bearbeitende, fruchtbare Böden auf den
Flußterrassen und die verkehrsgünstige Lage waren die Gründe für die
frühe Besiedlung des Moseltales. Bis zur Mittelsteinzeit zurück läßt
sich hier eine weitgehend kontinuierliche Besiedlung nachweisen. Als die Römer im ersten vorchristlichen Jahrhundert bis in die heutige Trierer Region vordrangen, fanden sie ein für damalige Verhältnisse recht dicht besiedeltes Gebiet vor, das von den Treverern, einem keltischen Volksstamm, bewohnt war. Nach der Eroberung und Niederwerfung Galliens und damit auch des Trevererlandes durch Julius Cäsar um 50 v. Chr. begann die römische Herrschaft, die mehr als 500 Jahre dauern sollte. Trier wurde Hauptort der Region und hatte in seiner römischen Blütezeit fast soviel Einwohner wie heute. Die Sicherung der Versorgung der städtischen Bevölkerung war damals eine wichtige Aufgabe. Der Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur hat für die Besiedlung des städtischen Umlandes entscheidende Impulse gegeben. Große landwirtschaftliche Höfe wurden auf den fruchtbaren Böden angelegt und intensiv bewirtschaftet. Die Treverer waren Bauern und Viehzüchter. Sie mußten den römischen Gutsherrn Pachtzahlungen entrichten. In den 500 Jahren römischer Herrschaft entwickelte sich in den ländlichen Regionen ein sehr differenziertes Sozialgefüge zwischen römischen Grundherren, romanisierten Treverern, die zur Herrenklasse aufgestiegen waren, und den in Abhängigkeit geratenen übrigen Treverern. Im Zuge der Besiedlung des Trierer Landes kamen die "Secundinier" - ursprünglich Treverer - zu Ansehen und Reichtum und wurden staatsrechtlich zu Römern. Sie besaßen große Ländereien unmittelbar an der Hauptstraße von Trier nach Metz, auf der Gemarkung der heutigen Gemeinde Igel. Einen Teil davon verpachteten sie an die Bauern der Umgebung und errichteten oberhalb der Römerstraße - wahrscheinlich zwischen der alten romanischen Pfarrkirche und der neuen Schule - Flurname "Königsacht" - einen prächtigen Landsitz. Vermutlich war dieser Gutshof Kernzelle einer römischen Siedlung von Handwerkern und Bauern, die sich zwischen Hof und Hauptstraße entwickelte. Wann dies geschah, läßt sich heute nicht mehr feststellen. Als Anhaltspunkt kann der Zeitraum des Baus der sogenannten IGELER SÄULE, ein mit Reliefs reich geschmücktes Pfeilergrabmal, dienen. Die Secundinier errichteten dieses Monument in der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts (etwa um 240 nach Christus) direkt an der Römerstraße. Die IGELER SÄULE war aber nicht das einzige Grabdenkmal, das hier gefunden wurde. Als Beispiel sei das Denkmal eines Maurers angeführt, das weiter westlich an der Römerstraße ausgegraben wurde. Die gut erhaltene Inschrift besagt, daß der Verstorbene L. Senilius Sacratus ein einheimischer Maurer war. Eine Urnengrabkammer, wurde etwa 1,5 km westlich von Igel in den Weinbergen gefunden. Sie wird im Volksmund als GRUTENHÄUSCHEN bezeichnet. Das Grabmal der Secundinier hat also nicht isoliert hier gestanden. Neben der sehr reichen Tuchhändlerfamilie haben sich hier wohl auch Angehörige einer gehobenen Mittelschicht (Beispiel Maurer, Weinbauern), die sich ein steinernes Grabmal leisten konnten, niedergelassen. Man kann als ziemlich sicher annehmen, daß an Stellen, an denen etwa im gleichen Zeitraum so verschiedenartige Grabdenkmäler (keine Begräbnisstätten!) angelegt worden sind, Siedlungen bestanden haben müssen, die schon längere Zeit in Funktion waren. Wenn also die Errichtung der IGELER SÄULE auf die erste Hälfte des 3. Jahrhunderts (240-250 n. Chr.) datiert werden kann, so muß sich hier schon lange vorher eine Ansiedlung entwickelt haben. Igel blickt somit auf eine rund 2000-jährige Geschichte zurück und ist wohl eines der ältesten Dörfer in Deutschland. Seit seiner Entstehung aus einer römischen Siedlung hat Igel im Wandel der Zeiten bis zum Jahre 1815 als es zu Preußen kam seine Staatszugehörigkeit mehrfach gewechselt. Mit dem Untergang des weströmischen Reiches (53 v. Chr. - 459 n. Chr.) folgte die fränkische Zeit (459 - 963). Danach gehörte Igel von 959 bis um 1100 zu Lothringen. Als um 1100 die Grafschaft Luxemburg gebildet wurde, gehörte Igel von 1100 bis 1443 zu Luxemburg. Mit dem Beginn der Fremdherrschaft über das Herzogtum Luxemburg (1443 - 1814) wurde das Herzogtum mit Igel von 1443 bis 1482 burgundisch und von 1482 bis 1555 habsburgisch (österreichisch). Von 1555 bis 1684 stand das Herzogtum Luxemburg mit Igel unter der ersten spanischen Herrschaft, von 1684 bis 1698 unter der ersten französischen, von 1698 bis 1714 unter der zweiten spanischen, von 1714 bis 1795 unter österreichischer und von 1795 bis 1814 unter der zweiten französischen Herrschaft. Nach dem Wiener Kongreß, durch den das Herzogtum Luxemburg zum Großherzogtum erhoben wurde, wurde Igel 1815 in das Königreich Preußen eingegliedert. Im Laufe der Jahrhunderte hat sich auch der Ortsname von Igel mehrfach geändert. Erstmals ist in einer Urkunde der Trierer Abtei St. Maximin aus dem Jahre 929 von einer "villa Aguilla" die Rede. Aus dem 10. - 12. Jahrhundert sind die Namensformen Egila, Egela, Egla, Egele bekannt. Später kamen als Abwandlungen noch hinzu: Egle, villa Egle, Egel, Egell, Eggel, Eegel und Aquilla. Die Lage am westlichen Stadtrand von Trier und die landschaftlich bedingte außerordentlich hohe Wohnqualität von Igel sind die Gründe für einen neuerlichen grundlegenden Strukturwandel. Attraktive Baugebiete wurden erschlossen, auf die Ansiedlung umweltbelastenden Gewerbes wurde verzichtet. Diese Planung hatte zur Folge, daß die Zahl der Einwohner sich mit über 2000 im Vergleich zu 1965 mehr als verdoppelt hat. Igel ist heute ein bevorzugter Wohn- und Erholungsort an dem landschaftlich sehr reizvollen Übergang von Obermoseltal zum Trierer Tal. Ortsteil Liersberg Auf den Moselhöhen oberhalb von Igel liegt malerisch in Wälder, Felder und Wiesen eingebettet der Ortsteil Liersberg, der 1974 Igel zugeordnet wurde. Als bemerkenswertes Bauwerk ist die alte Dorfkirche mit ihrem wuchtigen romanischen Turm aus Kalkstein zu erwähnen, die dem Heiligen Laurentius geweiht ist. In Ihrer jetzigen Form wurde sie in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auf den Trümmern einer lange vorher zerstörten Kirche errichtet. Das Alter dieses ersten Gotteshauses ist unbekannt. Man darf aber vermuten, daß Liersberg schon einige Jahrhunderte früher eine kleine Kirche besaß. Der Ort selbst wurde 816, zur Zeit der fränkischen Herrscher, erstmals als "Lusica" urkundliche erwähnt. Vom 14. bis zum 18. Jahrhundert besaß Liersberg mit Igel, Langsur, Mesenich und Grewenich zusammen ein für diese Zeit sehr seltenes freies, autonomes Hochgericht. Dies berichtet eine für Liersberg ausgestellte Urkunde aus dem Jahre 1374. Das Hochgericht urteilte Kapitalverbrechen ab. Als Strafen wurden Kerkerhaft, Hinrichtungen am Galgen, Tod durch Rädern oder auch der Feuertod verhängt. Die Gerichtsstätte lag auf einer Anhöhe oberhalb der Löwener Mühle auf der linken Seite der Straße nach Liersberg. Auf einer 1692 erschienen Karte "Les Environs de Treves et de Consarbruch" ist die Gerichtsstätte mit der Bezeichnung "Justice" deutlich erkennbar eingedruckt. Der Berg heißt heute noch "Galgenberg". |