Sehenswertes

Die Kapelle in Franzenheim ist dem heiligen Josef, dem Nährvater Jesu geweiht. Sie wurde 1849 neu erbaut. Über die Vorgängerin schreibt Pfarrer Thives: "Eng, dunkel, baufällig, einem Stalle ähnlich, ohne das zum Gottesdienste unbedingt Notwendige." Bei einer Visitation 1805 war sie schon in einem sehr schlechten Zustand. 1832 wird sie sogar offen als Stall bezeichnet, in den kein Bauer sein Vieh stellen würde. Die alte Kapelle scheint also im Bewußtsein der Bürger keine große Rolle gespielt zu haben. Das blieb auch über etliche Jahrzehnte so. Ein gewichtiger Grund war sicher auch die große Armut der Leute, die hohe Abgaben an die Obrigkeit zu entrichten hatten. 1849 raffte man sich aber doch dazu auf, diesen unwürdigen Zustand zu beenden. Was oder wer dann endgültig den Anstoß zum Neubau gab, liegt im Dunkel der Geschichte. Auch über die Finanzierung können wir nichts genaues berichten. Wahrscheinlich ist, daß die Priester sich geweigert haben, hier Messen zu lesen. Es gab zu dieser Zeit 7 Stiftungen für Messen, und diese mußten eingehalten werden.
    - Zum heutigen Verständnis über Stiftungsmessen. Pfarrangehörige, die auf lange Zeit nach ihrem Tod jedes Jahr eine Messe zu ihrem Gedenken wünschten, überließen der Pfarrgemeinde größere Beträge, aus denen diese Messen bezahlt wurden.
    - Es gibt auch heute noch ein paar Stiftungen, die sich über viele Jahrzehnte erstrecken.
Das Vermögen der Kapelle wird in dieser Zeit mit 25 Reichstaler angegeben, war also klein und hätte nicht für den Bau einer neuen Kapelle gereicht. Die neue Kapelle wurde durch eine große Leistung der Leute aus Franzenheim und der Gemeinde möglich. Sie ist gänzlich in Eigenarbeit errichtet worden, und verblieb im Besitz der Zivilgemeinde. Die Kapelle erhielt jetzt auch eine Glocke, einen schönen Hochaltar und Kelche. So konnte endlich regelmäßig eine Messe gefeiert werden. In den Jahren vor 1900 haben die Gläubigen viel gespendet, denn das Kirchenvermögen der Kapelle betrug um 1900 1.160,00 Reichstaler. 1909 richtete ein Sturm ziemliche Schäden am Dach an. Diese wurden für 11,50 Reichstaler von Herrn Becker, dem Bruder der damaligen Küsterin Barbara Becker, repariert.
Während des Krieges wurde im Oktober 1942 die Glocke beschlagnahmt und zum Einschmelzen weggebracht. Im November 1942 wurde eine einfache Stahlglocke aus Brockscheid aufgehängt.
Im zweiten Weltkrieg entstanden keine größeren Schäden an der Kapelle. Die Gottesdienste am Dienstag und Freitag jeder Woche konnten gefeiert werden. Gegen Ende der 50er Jahre wurde die Kapelle zu klein. Da es auch keine Sakristei gab, diese aber sehr erwünscht wurde, dachte man im Kirchenvorstand über eine Erweiterung inklusive Sakristei nach.
Erste Planungen von Herrn Pfarrer Dewald und den Männern des Kirchenvorstandes gehen auf das Jahr 1957 zurück. Im November 1958 erteilte die Diözesanbaukommission ihre Zustimmung. Veranschlagte Kosten des Projektes waren 35.000,00 DM. 20.000,00 DM mußten von den Franzenheimer Bürgern aufgebracht werden. Viele beteiligten sich durch Eigenarbeit und durch Beiträge an den Kirchenbauverein an der Tilgung dieser Summe. Der Beitrag wurde jährlich, kurz vor Weihnachten, durch die Raiffeisenkasse Franzenheim von den Konten der Mitglieder dem Kirchenkonto gutgeschrieben. Die Bauausführung lag bei der Firma Gubernator, alle Handlangerdienste wurden von den Franzenheimern ausgeführt. Zum Beispiel sind die Bruchsteine aus dem Steinbruch in Fell. Um sie herbeizuschaffen, taten sich 15 Traktoren mit ihren Fahrern zusammen. An den ganz schweren Wagen mußte vorne und hinten ein Traktor angehängt werden, um die Bremswirkung bei den großen Höhenunterschieden zu verstärken.
Im Zuge dieser größeren Umbaumaßnahme wurde auch ein moderner Altar und ein Tabernakel angeschafft. Leider wurde der Hochaltar ganz entfernt. Man kann ihn heute in unserer Pfarrkirche als Seitenaltar sehen. Der Tabernakel war allerdings sehr wichtig. Ohne ihn wurden die Gläubigen vor der Messe gefragt, ob sie die heilige Kommunion empfangen möchten. Es wurden dann die Hostien abgezählt und nur diese gesegnet, denn gesegnete Hostien durften nicht aus der Kirche getragen werden.
1959 änderte sich auch das Besitzverhältnis der Kapelle. Bis dahin war die Kapelle das Eigentum der Zivilgemeinde. Auf Beschluß des Gemeinderates in Abstimmung mit dem Kirchenrat wurde die Kapelle der Pfarrgemeinde Pellingen-Franzenheim übertragen. Im Jahre 1984 errichtete die Pfarrgemeinde den Brunnen und den größeren Treppenaufgang zur Kirche. Das war die letzte Verschönerungsarbeit vor der jetzigen Renovierung. 1998 ist der Verputz im Inneren erneuert worden, eine Heizung installiert, ein schöner Anstrich, eine Außentür und ein Treppenteil erneuert worden. Auch hier wurde durch die Bürger eine großartige Leistung erbracht. Diese Maßnahme kostete ca. 70.000,00 DM. Trotz Geldern des Bistums muß die Pfarrgemeinde noch ca. 30.000,00 DM aufbringen.
2001 soll unsere Kapelle durch einen erneuerten Außenanstrich der Mittelpunkt unseres Dorfes werden. Wir können stolz darauf sein, ein so schönes Juwel in unserer Mitte zu haben.